Die zarten Nuancen

des Unperfekten – die Keramiken

der Mathilde Martin

Art and Design

In der Welt der zeitgenössischen Keramik hat sich Mathilde Martin einen Namen gemacht. Die in Paris lebende Künstlerin verbindet traditionelles Handwerk mit einem zeitlosen, eleganten Designansatz, der sowohl Kunstsammler als auch renommierte Luxusmarken begeistert. Ihr Atelier, das sie 2016 gegründet hat, ist eine Hommage an die Schönheit der Form und die Sinnlichkeit des Materials.

Mathilde Martin glaubt fest an die transformative Kraft der Ästhetik. In ihrer Arbeit steckt mehr als bloßes Handwerk – sie ist eine Philosophie, eine Ode an die Einfachheit und der Harmonie. Sie ist überzeugt von der Kraft der Schönheit und gestaltet wahrscheinlich genau deshalb Stücke, die in der Lage sind, ganze Räume zu bereichern. Auch wenn die wahre Schönheit ihrer Keramikwerke oft im Unvollkommenen zu finden ist.

Mathilde Martins Arbeit ist leise, zurückgenommen und roh. Die Perfektion zeigt sich im Unfertigen: ausgefranste Ränder, Fingertapser, nur scheinbare Dysbalancen. Kein Stück gleicht dem anderen. Nichts ist laut, nicht die Farben nicht die Arbeit, nicht die Künstlerin selbst. Ihre von Poesie geprägten Entwürfe entstehen in absoluter Stille. Alles passiert intuitiv, fast sensibel, dem Flow folgend.

Ein Gefühl, das sie seit ihrer Kindheit nicht mehr losgelassen hat. Seit sie damals als Siebenjährige in der Bretagne im Keller ihrer Schule einen Töpferkurs besucht hat, ist sie fasziniert von den Möglichkeiten des unendlich modellierbaren Tons. Und ähnlich wie ihr bevorzugtes Material hatte auch Mathilde schon mehrere Leben. Geschichtestudentin, einen CAP Cusine Abschluss (Certificat d’Aptitude Professionnelle), Sommelière bei Au Passage in Paris oder bei Koya in London. Bis sie schließlich die Kochschürze an den Nagel hängte und eine klare Entscheidung zu Gunsten der Keramik traf. Und aus ihrem Hobby eine Selbstverständlichkeit wurde. Denn ihrer Lust, etwas von Grund auf zu schaffen war groß und ist es jeden Tag aufs Neue.

Ästhetik trifft auf Handwerkskunst

Mit großer Hingabe modelliert, schneidet, glättet und formt die Künstlerin jedes einzelne Stück von Hand. Ihre bevorzugte Technik ist dabei das Modellieren – ein für sie meditativer Prozess, bei dem sie die größte Verbindung mit dem Material spürt, das sie mit großem Fingerspitzengefühl bearbeitet. Sie verwendet ausschließlich französisches Steinzeug aus dem Burgund. Daraus entstehen archaisch anmutende Vasen in mattem Gipsweiß, die Wolken ähneln, skulpturale Schalen mit tiefschwarzen Texturen, die an Lava erinnern und Sandsteinarbeiten, die ihre ursprüngliche Farbe behalten. Mit formen, trocknen, glätten, im Ofen backen und dann ins Emaillebad tauchen, dauert es übrigens bis zu drei Wochen, um ein Keramikobjekt herzustellen. Jedes Stück ist handgefertigt und somit einzigartig– von kleinen bis hin zu großen Aufträgen– von minimalistischen Vasen über skulpturale Schalen bis hin zu maßgeschneiderten Designerstücken für exklusive Kunden.

Mathilde Martins Arbeit ist eine Ode an
die Einfachheit und der Harmonie.

Mathilde Martins außergewöhnliche Arbeit hat längst die Aufmerksamkeit der Luxuswelt auf sich gezogen. So arbeitet sie mit internationalen Mode- und Lifestyle-Marken wie Hermès, Saint Laurent und Poliform zusammen. Und natürlich mit Castor Fleuriste, der wiederum seine künstlerischen Blumen-Ergüsse in keiner anderen Vase drapieren würde als jene von Mathilde, denn für ihn ist die Beziehung zwischen Blumen und Vasen essenziell. Ihre Keramiken finden sich in High-End-Boutiquen ebenso wie in exklusiven Hotels und Privatsammlungen weltweit. Besonders geschätzt wird ihr Gespür für Materialität und ihre Fähigkeit, maßgeschneiderte Designs zu kreieren, die perfekt in luxuriöse Interieurs passen. Dabei bleibt ihr künstlerischer Anspruch aber stets unangetastet: Jedes Stück ist ein Unikat, das die Seele des Materials bewahrt.

Text
Eva Mühlbauer
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