Hinter der Linse —
Ein Gespräch über Leica
In diesem Jahr feierte Leica in Wetzlar, Deutschland, das hundertjährige Jubiläum der legendären Kamera. Zwischen dem kühlen Metall der Kameras, dem vertrauten Klicken des Verschlusses spürt man die Philosophie der Marke: Präzision, Handwerkskunst und das feine Gespür für den Moment. Anlässlich dieses Jubiläums sprach Maison Ë mit Andrea Pacella, Vice President Global Marketing & Communication, über die Kunst des Storytellings, die zeitlose Schönheit der Leica und die stille Verbundenheit, die Fotograf:innen auf der ganzen Welt durch ihre gemeinsame Leidenschaft für das Festhalten flüchtiger Augenblicke eint.
Maison Ë Wie definieren Sie die Marke Leica und wie hat sich diese Definition auf die Art und Weise ausgewirkt, wie Sie die Marke weltweit positionieren?
Andrea Pacella Bei Leica schwanken wir zwischen zwei Polen: dem einer Luxusmarke und dem einer Gebrauchsmarke. Natürlich produzieren wir einige der besten Kameras der Welt, aber wir stellen auch mit die schönsten Kameras weltweit her. Unsere Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass wir keine Kundengruppe zugunsten einer anderen vernachlässigen, da beide dazu beigetragen haben, wie wir Leica heute definieren.
Um dies zu erreichen, berücksichtigen wir, dass verschiedene Produkte unterschiedliche Geschichten erzählen. Wir sprechen unsere Zielgruppen dort an, wo sie sind, und nicht dort, wo wir sie gerne hätten. Wir heißen professionelle Fotograf:innen ebenso willkommen wie Neulinge, denn jeder bei Leica versteht, dass die Leidenschaft für die Fotografie nicht durch Budget, Talent oder andere Einschränkungen begrenzt werden kann.
M.Ë Das Gefühl der Gemeinschaft ist bei Leica stark ausgeprägt. Ist dies eine bewusste Ausrichtung Ihres Teams?
A.P. Ja, absolut. Wir hören immer wieder, dass unter Fotograf:innen automatisch eine Art Kameradschaft entsteht, wenn sie sich beispielsweise auf der Straße begegnen. Und diese Verbindung ist noch stärker, wenn beide Fotograf:innen eine Leica in der Hand halten. Leica ist in gewisser Weise die Lingua franca der Fotografie, sie schafft ein Gefühl der Gleichheit unter Gleichgesinnten. Und weil es eine Leica ist, hat man vermutlich schon etwas mit der anderen Person gemeinsam: gemeinsame Werte in der Fotografie, eine gewisse Wertschätzung für Schönheit oder Handwerkskunst. Wir möchten diese Idee in größerem Maßstab umsetzen und sicherstellen, dass jeder, der einen Leica Store, unser Museum, eine Galerie oder sogar unseren Online-Shop betritt, sich willkommen fühlt, weil er sich unter Millionen anderer Marken für Leica entschieden hat. Und das ist für uns keine Selbstverständlichkeit.
„Bei Leica schwanken wir zwischen
zwei Polen — dem einer Luxusmarke
und dem einer Gebrauchsmarke.“
M.Ë Welche Rolle spielt das Storytelling für das Branding von Leica?
A.P. Storytelling ist alles. Wenn wir jemanden in unsere Welt eintauchen lassen können, versteht er besser, warum Leica-Besitzer:innen ein wenig besessen von ihren Kameras sind.
Was ist ein Foto, wenn nicht eine Geschichte, die in dieser einen Sekunde festgehalten wird, in der die Kamera auslöst? Wir verfolgen eine Art dreistufigen Ansatz, wenn wir eine Geschichte über Leica oder einen Fotografen erzählen, mit dem wir zusammenarbeiten: Inspirieren, Feiern und Informieren. Jeder dieser Punkte ist gleich wichtig, aber natürlich sprechen nicht alle Kund:innen gleichermaßen auf jeden dieser Punkte an.
Beim „Inspirieren” verlassen wir uns auf die Fotografie, um die Geschichte zu erzählen und die Menschen in den Moment zu versetzen, in dem das Foto aufgenommen wurde. Im Kontext von „Feiern“ zeigen wir das Produkt und sein schönes Design und wie es jemanden fühlen lässt. Und im Falle von „Informieren“ sprechen wir über die funktionalen Aspekte und Spezifikationen einer Neuerscheinung. Diese Aspekte spielen in unserem Storytelling zusammen, stehen aber auch für sich allein.
M.Ë Wie sieht die Zukunft für Leica aus, wo Sie doch weiter in Bereiche wie Uhren, Projektoren, Brillen und Ähnliches expandieren?
A.P. Bei einer so traditionsreichen Marke wie Leica, die sich im Laufe der Zeit in gewisser Weise neu erfunden hat, ist es nicht einfach, eine definitive Aussage darüber zu treffen, wie es für Leica in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren aussehen wird. Stattdessen denke ich über die nächste Veröffentlichung, die nächste Initiative, den nächsten Monat nach und darüber, wie wir eine einfache Frage mit einer einfachen Antwort beantworten können: Warum Leica? Weil es Leica ist.
Leica M11
glänzend, schwarz
Frontalansicht
„Warum Leica?
Weil es Leica ist.“