Der Monteverdi Safari—
ein Schweizer SUV
In einer Zeit, in der das Akronym „SUV“ noch nicht zu einer globalen Markenkategorie geworden war, schmiedete eine kleine Schweizer Automarke unter der Leitung von Peter Monteverdi im Stillen etwas ziemlich Außergewöhnliches. Der Monteverdi Safari ist mehr als eine kuriose Fußnote in der Automobilgeschichte – er ist ein Statement für Ehrgeiz, handwerkliches Geschick und die Kunst, Gegensätze zu verbinden: Luxus und Robustheit, Schweizer Präzision und italienisches Flair, Geländetauglichkeit und raffinierte Innenausstattung.
Monteverdi
Safari
(Restomod) Man sollte sich den Monteverdi Safari nicht als Reaktion auf den Markt vorstellen, sondern als die Verwirklichung der Fantasie eines wahren Connaisseurs. Der Safari steht an der Schnittstelle von Maßanfertigung und kompromissloser Robustheit und verbindet handgefertigten Luxus mit einer Präsenz, die sich jeder Anpassung verweigert.
Die Ursprünge der Kühnheit
Die Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren, als Peter Monteverdi eine Marktlücke entdeckte: Während das Geschäft mit Luxuslimousinen bereits fest etabliert war, hatten nur wenige den Versuch gewagt, echte Allradfähigkeit mit wahrer Opulenz zu verbinden. Mit dem Safari schwebte ihm „ein Luxus-4×4 avant la lettre“ vor. Die Idee: Man nehme ein starkes, bewährtes Fahrgestell und kleide es mit Eleganz. Das Leiterrahmen-Fahrwerk des Scout, die Starrachsen und die Allradtechnik bildeten das notwendige Rückgrat, während die Carrozzeria Fissore – ein italienischer Karosseriebauer mit Sitz in Savigliano – für die Linienführung und die Materialwahl verantwortlich war: Vierfachscheinwerfer, eine markant eckige Silhouette und ein großzügiger Innenraum. Der Safari war größer als der damals aktuelle Range Rover und zugleich deutlich leistungsstärker.
Der Standardmotor war ein 5,2-Liter-V8 von Chrysler – optional waren auch 5,7-Liter oder sogar der beeindruckende 7,2-Liter-V8 von Chrysler erhältlich, der über 200 km/h erreichte. Diese Leistung wurde gepaart mit Ausstattungsmerkmalen, die man damals bei Geländewagen selten sah: ein Automatikgetriebe, elektrische Fensterheber, Volllederausstattung und Klimaanlage. Kurzum: ein SUV für die besonders Anspruchsvollen.
Rarität durch Design
In einer Zeit, in der Stückzahlen gleichbedeutend mit Erfolg waren, baute Monteverdi in aller Stille Autos, als wären sie Uhren. So entstand der Safari nicht etwa am Fließband, sondern durch die Arbeit einer Reihe von Handwerker:innen, darunter Schweizer Ingenieur:innen, italienische Karosseriebauer:innen und amerikanische Stahlfachleute. Die Produktion wurde nicht durch Ehrgeiz begrenzt, sondern einzig durch Absicht.
Monteverdi ging es niemals darum den Markt zu erobern. Vielmehr war es seine Absicht, ihn zu verfeinern. Seine Werkstatt in Binningen bei Basel konnte nur einige Dutzend Autos pro Jahr herstellen, die alle von Hand zusammengebaut, Probe gefahren und mit instrumentenähnlicher Präzision nachjustiert wurden. Die Basis des Safari kam aus den Vereinigten Staaten in Form des robusten Chassis des International Harvester Scout. Dieses wurde nach Savigliano in Italien verschifft, wo die Carrozzeria Fissore es mit präzisem, maßgeschneidertem Metall bekleidete. Schließlich wurden in der Schweiz Karosserie und Seele des Automobils vereint.
Das Ganze war äußerst kostspielig. Ende der 1970er-Jahre kostete ein Monteverdi Safari mehr als ein Range Rover und weit mehr als die meisten bekannten Luxusautos. Seine Kundschaft bestand aus Liebhaber:innen– Menschen, die Lederfarben und Armaturenbrettfurniere so auswählten, wie sie auch einen Anzug oder eine Uhr aussuchen würden.
Dann kam die Ölkrise. Die Welt wandte sich von den großen V8-Motoren ab, der Safari war aber kompromisslos opulent. Monteverdi baute 200 Stück, vielleicht auch weniger; die genauen Zahlen sind mit dem Mythos untergegangen. Doch gerade diese Seltenheit macht die Aura des Safari aus. Heute wirkt jeder noch erhaltene SUV weniger wie ein Auto und mehr wie eine limitierte Edition, ein nummerierter Druck aus einem längst vergessenen Atelier. Nicht ein Produkt der Knappheit, sondern ein bewusster Ausdruck selektiver Schöpfung.
In einer Zeit, in der Stückzahlen gleichbedeutend
mit Erfolg waren, baute Monteverdi in aller Stille Autos, als wären sie Uhren.
Design, Materialität, und Identität
Während sich der Stil an den anderen Fahrzeugen von Monteverdi orientierte, besaß der Safari eine eigenständige Präsenz: kraftvoll und zugleich raffiniert. Chromdetails, die klaren Linien der Oberflächen und die Türverkleidungen zeugten alle von Luxus.
Im Inneren fanden anspruchsvolle Fahrer:innen eine Volllederausstattung, Servolenkung, elektrische Fensterheber, ein Automatikgetriebe sowie großzügige Sitzplätze für fünf Personen plus Gepäck. Dies Kombination war ebenso selten wie das Fahrgestell: ein solide gebauter Leiterrahmen mit Blattfedern vorne und hinten, Scheibenbremsen an der Vorderachse, Trommelbremsen hinten, ein zweistufiges Verteilergetriebe und zuschaltbarer Allradantrieb. Die Schweizer Identität des Safari zeigte sich in jedem Detail: Präzision in der Umsetzung, Zurückhaltung beim Branding und Exklusivität in kleinen Serien. Eine solche Raffinesse in einem Geländewagen dieser Zeit war mehr als ungewöhnlich.
Vermächtnis und Seltenheit
Die genauen Produktionszahlen sind nach wie vor unklar, obwohl die meisten Schätzungen von einer Gesamtproduktion im niedrigen Hunderterbereich ausgehen, was den Safari zu einem der erfolgreichsten Modelle von Monteverdi in seiner Nische macht. Gut erhaltene Exemplare – wie z. B. ein Modell von 1978 mit weniger als 20.000 km und einer vollständigen Servicehistorie – haben Berichten zufolge bei Auktionen zwischen etwa 100.000 und 120.000 USD erzielt, was sowohl die Seltenheit des Modells als auch seinen anhaltenden Sammlerwert unterstreicht.
Eine interessante Fußnote: Monteverdi baute später eine viertürige Version des Range Rover (bevor das britische Unternehmen selbst einen solchen anbot), und zwar auf der Basis eines umgebauten Reisebusses. Der Safari befindet sich also an einem entscheidenden Punkt: Monteverdi setzte seine Handschrift genau zu jener Zeit, als der Luxus-4×4 gerade definiert wurde.
Das Lifestyle-Angebot
Aus der Sicht von Maison Ë bietet der Safari eine Fülle von Erzählungen: die Flucht in die Alpen, das europäische Jetset-Wesen, eine diskrete, aber kraftvolle Ankunft in einem Bergresort, gefolgt von einer Fahrt über Waldwege zu einem Chalet hoch über dem Tal. Es ist ein Objekt, das ländlich-robuste Fähigkeiten mit urbaner Eleganz verbindet.
Der Safari ist nicht einfach nur ein Auto: Er ist ein Statement, das sowohl Raffinesse als auch Freiheit verlangt. In den 1970er- und frühen 80er-Jahren war dies eine Seltenheit. Heute, wo Luxus-SUVs allgegenwärtig sind, sticht der Safari als Vorreiter einer Kategorie hervor, die – damals – noch auf der Suche nach ihrer Identität war.