11. September 2026

Im Gespräch mit
Oulimata Gallet

Fashion and Beauty

Sie ist der Mode nie hinterhergejagt; die Mode hat sie gefunden. Geboren im Senegal und mittlerweile in der französischen Provinz verwurzelt, stieg Oulimata Gallet später als die meisten anderen in die Branche ein und machte ihre Authentizität zu ihrem größten Stärke. Ein Gespräch über Mutterschaft, Selbstbewusstsein und den seltenen Luxus, genau zu wissen, wer man ist.

Als wir unser Modestrecke „COLORFUL FALL“ fotografierten, fiel mir Gallet am Set besonders auf. Nicht, weil sie Aufmerksamkeit einforderte, sondern weil sie sie allen um sich herum schenkte. Zwischen den Aufnahmen machte sie anderen Mut, lachte mit dem Team und schaffte es irgendwie, einen unglaublich windigen Tag unbeschwert erscheinen zu lassen. Ihr Optimismus wirkte dabei nie aufgesetzt; er schien vielmehr tief in ihr verwurzelt zu sein.

Maison Ë Als wir uns am Set trafen, fiel mir als Erstes Ihre positive Ausstrahlung auf. Woher kommt die?

Oulimata Gallet Ich glaube, das kommt aus meiner Kindheit. Ich bin im Senegal geboren, und mein Vater war der positivste Mensch, den ich je gekannt habe. Egal, was passierte, er empfing die Menschen immer mit einem Lächeln. Im Senegal kann es schon mal vorkommen, dass jemand unangekündigt bei dir zu Hause vorbeischaut – und dann bittest du ihn herein, bietest ihm etwas zu trinken und zu essen an und setzt dich mit ihm zusammen. Ich bin mit dieser Großzügigkeit aufgewachsen. Mein Vater hat mir immer gesagt, dass Positivität Positivität erzeugt.

Das bedeutet nicht, dass das Leben immer einfach ist, aber es verändert, wie man jeder Situation begegnet. Es ist Teil meiner Persönlichkeit geworden. Natürlich bin ich von Natur aus auch sehr energiegeladen – manchmal sagt mir mein Mann, ich solle mich etwas beruhigen –, aber ich glaube wirklich daran, dass Freundlichkeit ansteckend ist.

Oulimata Gallets Empfehlungen

  • Ihr weltweit liebstes Hotel? 
Das Four Seasons Bora Bora in Polynesien.
  • Ein Restaurant, das Sie immer weiterempfehlen?
„Alain Ducasse“ in Paris. Er ist einfach ein großartiger Koch.
  • Eine Stadt, von der Sie nie genug bekommen können?Paris.
  • Ein Geheimtipp, den mehr Menschen entdecken sollten?La Réunion im Indischen Ozean.
  • Ein Designer, den jeder kennen sollte? Stephane Rolland.
  • Ein Buch, das Sie geprägt hat?
Ich habe immer ein Buch von Balzac dabei. Er war seiner Zeit so weit voraus, und ich liebe die Art, wie er die Psychologie der Menschen beschreibt und wie aktuell das auch heute noch ist.
  • Ein Kleidungsstück, von dem Sie sich niemals trennen würden?
 Ein Kleidungsstück, auf das ich niemals verzichte, ist mein Badeanzug, denn ich liebe das Wasser!

M. Ë Sie haben viel später als die meisten anderen mit dem Modeln angefangen. Wie hat alles begonnen?

O. G. Völlig zufällig. Meine Familie und ich verbrachten jedes Jahr einige Zeit auf der Insel Réunion. Eines Tages sprach mich dort am Strand eine Fotografin an. Sie sagte mir, dass sie mein Gesicht wunderschön fände, stellte mir aber eine Frage, die mich völlig überraschte: „Warum versteckst du dich?“ Damals trug ich Perücken und lange Frisuren, weil ich glaubte, dass genau das Weiblichkeit ausmacht. Sie ermutigte mich, mein natürliches Haar zu zeigen – und vor allem, mich selbst anzunehmen. Es dauerte fast zwei Jahre, bis ich mich dazu bereit fühlte. Als ich mir schließlich die Haare schnitt, änderte sich alles. Die Bilder, die sie gemacht hatte, wurden international veröffentlicht, und Agenturen in Paris begannen, mich zu kontaktieren. Aber was sie mir wirklich gab, war keine Karriere – es war Selbstvertrauen. Sie lehrte mich, dass Menschen keine Verbindung zu Perfektion aufbauen. Sie bauen eine Verbindung zu Authentizität auf.

M. Ë Hat sich der spätere Einstieg letztendlich als Vorteil erwiesen?

O. G. Auf jeden Fall. Als mich das Modeln fand, war ich bereits Ehefrau und Mutter. Ich wusste schon, wer ich war. Ich war nicht darauf aus, dass die Modewelt mir meinen Wert bestätigt. Ich glaube, deshalb habe ich mich in dieser Branche nie selbst verloren. Natürlich lernt man dazu, passt sich an und entwickelt sich weiter, aber die eigene Persönlichkeit muss man bewahren. Schon früh wurde mir klar, dass es nie funktioniert, ein anderes Model zu kopieren. Man kann Menschen bewundern, aber wenn man ständig versucht, jemand anderes zu werden, sehen die Leute einen nicht mehr. Die stärksten Bilder, die ich je geschaffen habe, entstanden in dem Moment, als ich aufhörte, eine Rolle zu spielen, und einfach ich selbst wurde.

M. Ë Was hat Sie am meisten überrascht, als Sie in die Branche eingestiegen sind?

O. G. Zwei Dinge. Das Erste war die Erkenntnis, dass jeder Kunde etwas anderes braucht. Am Anfang war ich voller Energie und dachte, ich müsste immer mehr geben. Dann sagte mir ein Fotograf: „Wir haben dich ausgewählt, weil wir dich lieben, aber heute musst du ruhiger sein.“ Das hat alles verändert. Mir wurde klar, dass Zuhören genauso wichtig ist, wie sich selbst auszudrücken. Die zweite Überraschung war, wie groß der Druck in Bezug auf das Aussehen ist. Ich war schockiert darüber, wie oft junge Models das Gefühl hatten, sich verändern zu müssen.

M. Ë Sie haben eine erfolgreiche internationale Karriere und kümmern sich gleichzeitig um Ihre Familie. Wie bringen Sie diese beiden Welten unter einen Hut?

O. G. Ich glaube, mein größter Luxus ist, dass mein Privatleben nichts mit Mode zu tun hat. Wir leben auf dem Land. Meine Kinder gehen dort zur Schule, sie machen Musik und Sport, ich gehe auf den lokalen Markt, ich koche, mache jeden Morgen Yoga und habe sogar angefangen, klassischen Tanzunterricht zu nehmen, weil meine Tochter mich dazu inspiriert hat. Die meisten Menschen in meinem Umfeld kennen mich nicht als Model. Dieses normale Leben hält mich auf dem Boden der Tatsachen. Wenn ich zu einer Kampagne aufbreche, konzentriere ich mich voll und ganz auf die Arbeit. Aber wenn ich zurück nach Hause komme, bin ich einfach wieder Ehefrau und Mutter. Ich glaube, beide Welten stärken sich gegenseitig.

M. Ë Was macht ein Shooting für Sie unvergesslich, nachdem Sie so viel gereist sind?

O. G. Immer die Menschen. Kürzlich habe ich an einer Sommerkampagne in Dubai gearbeitet. In der Wüste herrschten fast 50 Grad. Die Models konnten sich in klimatisierten Transportern ausruhen, aber die Crew blieb den ganzen Tag draußen in der Sonne – und hatte dabei stets ein Lächeln im Gesicht.
Als ich ihr Engagement beobachtete, wurde mir wieder bewusst, wie viele Menschen hinter jedem Bild unglaublich hart arbeiten. Das sind die Momente, die ich nie vergesse – nicht nur die Fotos, sondern auch die Menschen, die sie möglich machen.

M. Ë Zum Schluss: Wie definieren Sie Luxus?

O. G. Luxus beginnt mit der Persönlichkeit. Ein schönes Kleid ist immer noch nur ein Kleid. Es wird erst durch die Person, die es trägt, zu etwas Außergewöhnlichem. Wenn man sich selbst nicht wohlfühlt, kann kein noch so teures Kleidungsstück daran etwas ändern. Aber wenn man sich selbst liebt, wenn man sich selbst akzeptiert – selbst an schwierigen Tagen –, dann wird diese Energie sichtbar. Für mich ist das Luxus. Und ja, in der Business Class zu reisen, macht auch Spaß.

words
Sandra Reichl
photography
Rory Griffin
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