Inspiration,
die wächst
Beim Pflücken, Beobachten und Staunen wächst Inspiration – und mit ihr eine neue Nähe zur Natur. Für Expertin Anna Koster sind essbare Blüten nicht nur Dekoration, sondern kleine Moment der Aufmerksamkeit im Alltag.
(Blumen) Wenn Anna Koster über essbare Blüten spricht, strahlt ihr Gesicht eine Begeisterung für die Natur aus, die ansteckend ist. Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt sich die Niederländerin auf ihrer Website Floral Touch mit dem Thema, das in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit in der kulinarischen Szene erregt hat.
Essbare Blüten sind für sie keine bloße Dekoration. Sie setzen einen Akzent, verleihen einem Gericht einen zusätzlichen Charakter und schaffen eine gewisse Tiefe. Der Geschmack ist dabei so vielfältig wie die Blüten selbst. Von der fast honigartigen Süße der Taubnesseln über das nussige Aroma des Gänseblümchens bis zur leichten Schärfe der Magnolie. Wer mit Blüten kocht, beginnt zu experimentieren: spielerisch, aufmerksam und mit Respekt vor dem Produkt.
Besonders gefällt Anna Koster der Gedanke, Inspiration nicht zu suchen, sondern sie wachsen zu lassen. Wer also vor dem Kochen in den eigenen Garten geht, um sich von den selbst angebauten Blumen inspirieren zu lassen, bereichert damit nicht nur die eigene Küche, sondern entwickelt auch eine tiefere Beziehung zur Natur. „Es ist eben nicht einfach nur Pflücken und Essen. Man kümmert sich um die Pflanzen und bestaunt ihr Wachstum“, sagt sie.
Dieses Staunen verlangt nach Wissen. Expertise ist unerlässlich, um etwaige gefährliche Verwechslungen zu vermeiden. Die lateinischen Bezeichnungen der jeweiligen Blumen helfen dabei, sie eindeutig zu identifizieren. „Wer essbare Blumen verwenden will, sollte sich sicher sein, dass die Blüte essbar ist, dass sie biologisch angebaut wurde und dass es sich bei ihr tatsächlich um die Blüte handelt, für die man sie hält“, so Koster.
Zehn ESSBARE
BLUMEN
Tulpenblütenblätter schmecken leicht süßlich und lassen sich hervorragend als Aperitif verwenden. Dazu platziert man auf je einem Blütenblatt ein Stück Mozzarella mit Pesto und schon hat man eine simple, aber geschmackvolle Vorspeise.
Veilchen bringen mit ihrer kräftigen Farbe und dem subtilen Geschmack einen wunderbaren Akzent in Torten und Sorbets.
Lauch stellt eine ganze Gruppe von essbaren Blüten dar, zu denen etwa Bärlauch gehört. Ihnen gemein ist ein scharfer, zwiebelartiger Geschmack, der sich hervorragend für Suppen und Eintöpfe eignet.
Diese Blüte hat nicht nur einen dezenten süßlichen Geschmack, sondern leistet als Nahrungsquelle für Dutzende Bienenarten auch einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität.
Die Blüten des Schwarzen Holunders erinnern mit ihrem süßlichen Aroma an den Sommer und lassen sich kulinarisch vielseitig einsetzen, etwa als Sirup.
Essbare Blüten stehen damit für weit mehr als Geschmack. Sie sind ein Symbol für einen langsameren, bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. Für Geduld und Sorgfalt. Auch ökologisch entfalten sie ihre Wirkung: Als Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge sind Blüten ein kleiner Beitrag zur Biodiversität. Wer sich die Zeit nimmt, Blumen selbst anzubauen, dem eröffnet sich eine ganz neue Welt direkt vor der Haustür.
Letztendlich sind essbare Blüten und die Kunst, sie gekonnt einzusetzen, auch eine Hommage an die kleinen Dinge im Leben, die unseren Alltag entschleunigen und uns dabei helfen, langsam wieder die Magie in den stillen, scheinbar unspektakulären Momenten zu finden. Angesichts der Schnelllebigkeit des modernen Lebens ist das schon fast ein radikaler Akt.
Mit ihren großen Blüten ist die Magnolie eine spektakuläre Wahl. Geschmacklich erinnert sie an Ingwer.
Vor allem herzhafte Gerichte profitieren von Gänseblümchen, die mit ihrem leicht nussigen Geschmack hervorragend zu Suppen und Salate passen.
Die Hohe Schlüsselblume ist eine der ersten Frühlingsbotinnen im März und lässt sich leicht im eigenen Garten anbauen. Geschmacklich erinnern sie an die fruchtige Süße von Aprikosen.
Die honigsüßen Blüten der Taubnessel eignen sich ausgezeichnet für Limonaden oder gehackt als Topping für Suppen.
Klatschmohn besticht vor allem durch seine knallige Farbe und seine symbolische Bedeutung für Hoffnung. Leicht nussig im Geschmack, bieten sich Klatschmohnblüten vor allem für Salate und Suppen an.