Der Aufstieg
der Luxuspyjamas

Fashion and Beauty

Wenn es um Self Care geht, sind Pyjamas vielleicht so etwas wie die letzte Hürde. Intim, gemütlich und ausschließlich für das eigene Wohlbefinden gemacht, liegt der Fokus luxuriöser Sleepwear auf Marken wie Tom Àdam aus Berlin, CDLP aus Stockholm und Schostal aus Rom. MAISON Ë hat mit Tom Vitolins von Tom Àdam gesprochen, um mehr über die erholsame Revolution in der Mode zu erfahren.

Tom Àdam

Verspielte Eleganz aus Berlin
Tom Àdam hat sich mit seiner gekonnten Mischung aus Ungezwungenheit und kultivierter Raffinesse eine treue Anhängerschaft aufgebaut. Die pastellfarbenen Pyjama-Sets der Marke – oft fotografiert an den Familienmitgliedern des Designers– vermitteln ein Gefühl von Vertrautheit und Wärme, das fast filmreif wirkt. Die lettische Herkunft des Firmengründers Tom Vitolins spielt eine zentrale Rolle in der Ausrichtung der Marke – mit einem Fokus auf Lebensfreude, Schlichtheit und Momenten des Zusammenseins.

Tom Àdam hat inzwischen seinen Sitz nach Berlin verlegt und in der Welt des designbewussten Komforts eine Heimat gefunden. Er arbeitet mit Boutique-Hotels wie Ett Hem und The Hoxton zusammen und hat sich die Anerkennung der Redakteur:innen von Monocle – und natürlich von MAISON Ë – verdient. Es ist eine Marke, die unbeschwert wirkt, aber dennoch durchdacht und in einer Art gelebter Eleganz verwurzelt ist, die sich selbst nicht zu ernst nimmt.

CDLP

Skandinavische Zurückhaltung trifft auf Komfort
Während Tom Àdam seine Ästhetik auf entspannte Gartenpartys und Momente in der Sonne ausgerichtet hat, befindet sich die schwedische Marke CDLP am anderen Ende des Spektrums. CDLP ist deutlich zurückhaltender und bleibt mit seinen monochromen Stücken, oft in Schwarz, Braun oder Marineblau, seinem skandinavischen Erbe treu. Diese Zurückhaltung im Design macht die Marke jedoch nicht weniger luxuriös. Mit Augenmerk auf eine großzügigere Silhouette und einer weit geschnittenen Hose aus satiniertem, atmungsaktivem Lyocell, ist CDLP die perfekte Verbindung aus Modellen, die sowohl auf stilvolles Auftreten als auch auf höchsten Tragekomfort ausgelegt sind.

Schostal
Originals

Zeitloser Luxus aus Rom
CDLP und Tom Àdam mögen die beiden Extreme dessen repräsentieren, was luxuriöse Pyjamas sein können, doch diese Unternehmen sind relativ neu auf dem Markt – beide Marken gibt es aber erst seit etwa einem Jahrzehnt. Im Vergleich dazu reicht die Geschichte von Schostal Originals bis ins Jahr 1870 zurück und beweist, dass ein Pyjama ein zeitloser Weg ist, echten Luxus zu spüren. Gelegen an der Via della Fontanella di Borghese in Rom, ist das Schostal Geschäft selbst zu einer Art Wahrzeichen geworden; die raumhohen Regale mit sorgfältig gefalteten Pyjamas verkörpern eine lange Tradition ikonischen Handwerks, die über Generationen hinweg zahllose Bewunderer:innen angezogen hat.

Tom Vitolins, Gründer von Tom Àdam.

 Tom Vitolins von Tom Àdam im Interview mit Maison Ë
Die Loungewear-Branche wächst rasant ist längst nicht mehr nur auf Schubladen beschränkt – unter anderem dank Designern wie Tom Vitolins, die zeigen, dass man Pyjamas auch als bequeme Alltagskleidung tragen kann. Wir haben uns mit Tom Vitolins zusammengesetzt, um über die Lage der Branche, die Geschichte hinter seiner Marke und darüber zu sprechen, wie seine Kindheit in Lettland seine Designästhetik bis heute prägt.

MAISON Ë Sie sind in Lettland aufgewachsen, und die Familie scheint eine wichtige Rolle in der Geschichte von Tom Àdam zu spielen. Wie hat diese Kindheit Ihr Verständnis von Qualität und Komfort geprägt und was möchten Sie mit Ihrer Marke ausdrücken?

Tom Vitolins Ich bin umgeben von Wäldern, Seen und viel Stille aufgewachsen – einer Stille, die einen dazu zwingt, darauf zu achten, wie sich die Dinge anfühlen. Dort habe ich begonnen Komfort nicht als Ware, sondern als Zustand zu verstehen. Meine Familie war sehr praktisch veranlagt, immer am Werkeln, Reparieren, Herstellen. So habe ich früh gelernt, dass Qualität nicht nur Langlebigkeit bedeutet, sondern auch Ruhe und Beständigkeit. Die Marke vermittelt dieses Gefühl eines sanften Rhythmus: entspannte Morgenstunden, ruhige Nachmittage und die Freude daran, mit wenig Aufwand etwas Schönes zu schaffen.
Bei Tom Àdam geht es weniger um Mode als vielmehr um die Einladung, Rituale der Entspannung zu schaffen und Raum für sich selbst zu kreieren.

M. Ë Was hat Sie ursprünglich dazu inspiriert, Tom Àdam zu gründen, und wann haben Sie erkannt, dass es Platz für eine Marke gibt, die Pyjamas und Unterwäsche als echte Luxuskleidung behandelt?

T. V. Ich sage gerne, dass es einmal einen Jungen namens Tom gab, der davon träumte, mit seiner Familie eine Loungewear-Marke zu gründen – und das stimmt auch größtenteils. Ich bin umgeben von Menschen aufgewachsen, denen Design, Kunst und die kleinen Gesten, die das Leben schön machen, wichtig waren. Die Idee für die Marke entstand aus dieser Schnittmenge: dem Blick einer Familie für Handwerkskunst und meiner persönlichen Faszination für Komfort.

Dann kam die Pandemie. Eine düstere Zeit für die Menschheit, aber auf seltsame Weise eine goldene Zeit für Pyjamas. Die Menschen entdeckten die Poesie des Zuhauses wieder, das Anziehen für sich selbst. Mir wurde klar, dass die Kategorie Schlaf und Komfort lange Zeit als Nebensache behandelt worden war, obwohl wir ein Drittel unseres Lebens im Bett verbringen. Also dachte ich mir: Warum sollte man diese Zeit nicht genauso schön gestalten wie den Rest?

„Der wahre Luxus liegt darin, wie sich
Menschen in Loungewear fühlen:
geerdet, wohl, mit einem
stillen Selbstvertrauen.

M. Ë In den letzten Jahren haben sich Pyjamas vom Privaten zum Öffentlichen gewandelt – sie sind Teil der Alltagsgarderobe geworden. Warum findet dieser Wandel Ihrer Meinung nach gerade jetzt statt?

T. V. Es ist die Summe vieler Elemente, aber auch die Atmosphäre, die sie schaffen. Leinen ist fest und dennoch nachgiebig, der Schnitt leicht nostalgisch, die Knöpfe sorgfältig ausgewählt. Aber der wahre Luxus liegt darin, wie sich Menschen in Loungewear fühlen: geerdet, wohl, mit einem stillen Selbstvertrauen. Ein gut gestaltetes Kleidungsstück – wie ein gut gestalteter Raum – gibt Halt, ohne aufzufallen. Jedes Stück strahlt eine menschliche Weichheit aus, eine taktile Erinnerung daran, dass Leichtigkeit eine Ästhetik für sich ist.

M. Ë Sie haben mit Namen wie The Hoxton, Ett Hem, Airbnb und Monocle zusammengearbeitet. Was reizt Sie an Partnerschaften im Gastgewerbe und wie helfen diese dabei, die Geschichte der Marke über die Mode hinaus zu erzählen?

T. V. Reisen waren schon immer Teil meines Lebensrhythmus. Ich liebe es, an einem neuen Ort anzukommen und zu spüren, wie der Raum einen umgibt – der Duft des Holzes, das Gewicht der Bettwäsche, die Art und Weise, wie das Licht durch den Raum fällt. Diese Kooperationen zeigen, wie Design das Verhalten beeinflusst.

Ich interessiere mich nicht für Mode um der Mode willen. Ich interessiere mich dafür, ein lebenswertes Dasein zu gestalten. Die Arbeit mit Hoteliers, Redakteur:innen und Kreativen eröffnet neue Blickwinkel – Komfort wird dabei in Bewegung spürbar. Jede Zusammenarbeit wird zu einem kleinen Experiment, wie Menschen Schönheit erleben.

M. Ë Wie beeinflussen diese Kooperationen die Art und Weise, wie Menschen Tom Àdam erleben? Verändert es ihre Sichtweise auf Pyjamas als Teil eines größeren Lebensstils?

T. V. Auf jeden Fall. Pyjamas werden oft nur als reine Nachtwäsche angesehen, als eine Art Uniform für die Nacht. Aber wenn man sie einmal in einer Hotelsuite gesehen oder bei einem gemütlichen Frühstück irgendwo in Apulien getragen hat, ändert sich diese Sichtweise. Es geht dann darum, gut zu leben.
Der Kontext ist wichtig. Selbst die Sprache – wenn man sie „Loungewear” statt „Sleepwear” nennt – eröffnet neue Assoziationen. Das Ziel ist, dass sich die Menschen mehr wie sie selbst fühlen und den ganzen Tag über Komfort und Selbstvertrauen ausstrahlen, egal wo sie sind.

„Pyjamas werden vielleicht niemals
einen Anzug ersetzen, aber sie könnten
zu seinem ehrlichsten Begleiter werden.“

M. Ë Mit Blick auf die Zukunft: Wie sehen Sie die Entwicklung dieser Kategorie? Könnten Pyjamas genauso unverzichtbar für moderne Kleidung werden wie Anzüge oder Freizeitmode?

T. V. Wenn nichts geplant ist, kann alles passieren, und das gefällt mir ganz gut. Unser Fokus liegt weiterhin auf dem Entspannen: Wir kreieren Kleidungsstücke, die es den Menschen ermöglichen, zu entschleunigen, abzuschalten und die Welt wieder wahrzunehmen. Da sich die Gesellschaft immer weiter von der hyperdigitalen und performativen Welt entfernt, werden taktile menschliche Erfahrungen zukünftig noch mehr geschätzt werden.

Pyjamas werden vielleicht niemals einen Anzug ersetzen, aber sie könnten zu seinem ehrlichsten Begleiter werden.

Text
Brett F. Braley-Palko
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PR
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