Die Kunst des
Drapierens
Maison Ë folgt der fließenden Sprache des Drapierens – vom skulpturalen Fall des Stoffes in der Mode bis zu den monumentalen Akten des Verhüllens von Christo und Jeanne-Claude.
(Kunst und Mode) Drapierung stellt in der Mode die Kunst dar, Stoff direkt am Körper zu arrangieren, um Struktur, Volumen und Fluss eines Kleidungsstücks zu formen. Sie ermöglicht es, Proportion zu erkunden, noch bevor überhaupt ein Schnittmuster entsteht.
Im Kunstbereich markierte das Jahr 2025 den 90. Geburtstag der beiden Drapierkünstler:innen Christo und Jeanne-Claude. Zugleich jährte sich die Realisierung dreier ihrer ikonischsten Verhüllungen: 20 Jahre „The Gates“ in New York, 30 Jahre der verhüllte Reichstag in Berlin und 40 Jahre „Pont Neuf“ in Paris. Weltweit begleiteten Gedenkveranstaltungen der Christo and Jeanne-Claude Foundation die Ehrung ihrer visionären Zusammenarbeit.
2026 wird in Paris gefeiert – mehr als vier Jahrzehnte nach jener spektakulären Verwandlung, als Christo und Jeanne-Claude die älteste Brücke der Stadt in eine goldschimmernde Vision überführten. Zu diesem Anlass plant der Künstler JR in Zusammenarbeit mit der Christo and Jeanne-Claude Foundation eine immersive Installation: Der Pont Neuf soll als kolossale Höhle inszeniert werden, geformt aus imposanten, felsenartigen Strukturen. Ursprünglich für Herbst 2025 vorgesehen, wird die Enthüllung nun im Sommer 2026 erwartet, um umfangreiche technische Studien, Genehmigungen und die komplexe Logistik dieses Vorhabens zu berücksichtigen. Finanziert wird das Werk privat und in enger Abstimmung mit der Stadt – ein Projekt, das den Geist von Christo und Jeanne- Claude in ein neues Kapitel der Pariser Erinnerungskultur trägt: temporär, eindrucksvoll, unvergesslich.
Christos und Jeanne-Claudes Verhüllungen
waren Akte des Verbergens und des Offenbarens,
die das Wesen jedes Monuments destillierten.
Im stillen Refugium, in dem Mode auf monumentale Kunst trifft, wird Drapierung zu einem intimen Dialog zwischen Stoff und Form, einem radikalen Akt der Verwandlung. Gefaltet, gedreht, schwebend – der Stoff atmet skulpturale Anmut. Das Ergebnis ist mehr als ein Kleidungsstück: Es ist eine lebendige Skulptur.
Christo und Jeanne-Claude sprachen diese Sprache im Maßstab ganzer Städte. Ihre Verhüllungen – Brücken, Parlamente, Bauwerke in Gold, Silber oder Safran – waren Akte des Verbergens und des Offenbarens, die das Wesen jedes Monuments destillierten. In der Mode ist Drapierung niemals bloßes Ornament – sie ist Architektur und Struktur, die weicher wird, Zeit, die sich verlangsamt, Wahrnehmung, die sich wandelt.