Artists to Watch
Intime Welten, frische Perspektiven
In dieser Ausgabe richten wir unsere Aufmerksamkeit auf zwei unverwechselbare Künstlerinnen, die das emotionale Terrain des zeitgenössischen Lebens durch Malerei und darüber hinaus kartieren. Die nigerianisch-amerikanische Künstlerin Monilola Olayemi Ilupeju erforscht von Berlin aus Erinnerung und Identität, während die maltesische Malerin Anna Calleja über die Rituale und Brüche ihrer Heimat reflektiert. In ihren viel beachteten jüngsten Ausstellungen bietet jeder von ihnen eine Perspektive, die sowohl zutiefst persönlich als auch scharfsinnig auf die Welt um sie herum ausgerichtet ist.
Monilola
Olayemi
Ilupeju
Monilola Olayemi Ilupeju (b. 1996) entschlüsselt Erinnerungen mit scharfer, suchender Zärtlichkeit. Die in Berlin lebende nigerianisch-amerikanische Künstlerin und Autorin bewegt sich zwischen Malerei, Skulptur, Text und Installation, wobei sie persönliche Erzählungen mit politischen und spirituellen Traditionen verknüpft. Ihre Arbeiten fragen danach, was aus Geschichten wiedergewonnen werden kann, die durch die Spannungen zwischen Intimität, Trauma, Unschuld und Begehren zerbrochen sind. In „BloodLetter“, ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in der Kestner Gesellschaft in Hannover von November 2024 bis März 2025, tauchten Gedichte, Tagebucheinträge und Zeichnungen neben großformatigen Ledergemälden und geschnitzten Holzformen auf – jedes Werk ein Ort des Bruchs und der Heilung. An der Grenze zwischen Sprache und Körperlichkeit arbeitet Ilupeju daran, was es bedeutet, einem Körper wieder ein Gefühl von Zugehörigkeit zu verleihen.
Anna
Calleja
Anna Calleja (b. 1997) schafft Gemälde, die zwischen Nähe und Unruhe oszillieren. Ihre Bildwelt schöpft aus der Tradition der Andacht und übersetzt diese in die sinnliche und manchmal widersprüchliche Erfahrungswelt der Gegenwart. Die Innenräume der maltesischen Künstlerin sind durchdrungen von persönlicher Geschichte und dem Gewicht ihres kulturellen Erbes – zärtliche Gesten, von leuchtenden Schirmen erhellte Räume und das Echo religiöser Symbolik. Ein Aufenthalt im Palazzo Monti in Brescia Ende 2024, gefolgt von ihrer ersten britischen Einzelausstellung bei Sim Smith und einer Gruppenausstellung bei Alison Jacques Anfang 2025, offenbarten eine Malerin, die sowohl für Stille als auch für Brüche empfänglich ist. Figuren krümmen sich nach innen, Katzen schweben als stumme Zeugen und Schnüre spannen Figuren ziehen sich nach innen zurück, Katzen verweilen als stille Zeugen, und Kabel spannen sich wie Lebensadern über die Leinwände – jedes Detail öffnet ein Tor zu den vielschichtigen, psychologischen Ebenen des häuslichen Lebens.