27. Oktober 2026

Château de Môtiers—
Ein Ort jenseits der Zeit

 

Places and Spaces

Zwischen Nebel und Licht erhebt sich das Château de Môtiers über den Hügeln des Schweizer Jura – ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Hier hat die Traditionsuhrenmanufaktur Bovet nicht nur seinen Sitz, sondern seinen Ursprung wiedergefunden.

Inmitten eines dichten Waldes gelegen, blickt das Schloss auf eine Geschichte zurück, die bis ins späte 13. Jahrhundert reicht.

(Historische Plätze) Über dem kleinen Dorf Môtiers thront das gleichnamige Château – und blickt auf eine Geschichte zurück, die älter ist als das Konzept von Zeit, das heute in seinen Mauern so meisterhaft zelebriert wird. Einst eine mittelalterliche Burg, vorübergehend Gefängnis, später vergessen – und heute: das Herz der Uhrenmanufaktur Bovet. Ein Ort, an dem Ewigkeit Gestalt annimmt.

Eingebettet in dichten Wald, ließ Graf Rodolphe IV. von Neuenburg die ehemalige Burg bereits Ende des 13. Jahrhunderts errichten. Jahrhunderte lang bewohnten die Burgmänner des Val-de-Travers diesen befestigten Ort, der Schutz und Macht zugleich bedeutete. Nach den Zerstörungen im Jahre 1795 blieb nur noch der markante Diesse-Turm übrig: ein stummer Wächter aus Stein, dem Witterung und Zeit nichts anhaben konnten, der bis 1826 als Gefängnis diente. Seine Mauern waren Zeugen von Geschichten, die nicht erzählt wurden, von Stille, die Jahrzehnte überdauerte.

Später kam das Château in Privatbesitz und wurde wiederaufbaut. 1957 schenkte die Familie Bovet es dem Kanton Neuenburg, woraufhin es in den 1960er-Jahren aufwendig restauriert wurde. Doch seine wahre Renaissance begann 2006 – als die Bovets auf das Schloss zurückkehrten und ihm seine Seele zurückgaben. Heute erfüllt feinstes Bovet -Uhrenhandwerk die alten Gemäuer mit neuem Atem. In den Werkstätten des Châteaus lebt die Zeit fort, hier begegnen sich Tradition und Innovation in einem stillen, unendlichen Takt.

 

Gravuren, Emaille und skelettierte Uhrwerke – Handwerkskunst, die auch den Geist des Ortes widerspiegelt.

Erbe mit Zukunft
Das Schloss selbst wurde mit großer Sensibilität restauriert: steinerne Türrahmen, alte Holzbalken, Eisentore – alles blieb, wie es war, und wurde zugleich in die Gegenwart übersetzt. Der historische Kern bildet den ruhenden Pol. Bovet hat das Erbe jedoch nicht unter Glas gestellt. Hinter den alten Mauern erhebt sich heute ein moderner Anbau – ein architektonisches Statement aus Glas, Stahl und hellem Jura-Stein. Große Panoramafenster öffnen ihn zur Landschaft hin. Drinnen herrscht eine präzise Stille. Tageslicht fällt durch hohe, rahmenlose Scheiben auf helle Werkflächen, auf denen die Uhren gefertigt werden – jene Miniaturwelten aus Gold, Emaille und Gravur, die Bovet weltberühmt gemacht haben. Der Neubau umgibt die Handwerker:innen wie ein Instrument: klimatisch stabil, akustisch gedämpft und lichtgeflutet. Eine moderne Kathedrale der Uhrmacherei, deren Architektur dieselbe Demut vor der Zeit zeigt wie die Kunst, die in ihr entsteht.

„Das Schloss steht für unser Erbe“, erklärt Pascal Raffy, „der Anbau für unsere Gegenwart.“ Zwischen beiden fließt eine unsichtbare Linie – so wie der Sekundenzeiger über das Zifferblatt. Und tatsächlich scheint der Ort in zwei Rhythmen zu atmen: der eine getragen vom schweren Puls der Geschichte, der andere vom präzisen Herzschlag der modernen Mechanik.

Im alten Westflügel befinden sich die Ateliers der Kunsthandwerker:innen – Gravur, Email, Guillochage. Ihre Räume sind erfüllt von leisen Gesprächen, dem feinen Klang des Gravierstichels, dem rhythmischen Klopfen winziger Werkzeuge. Im neuen Trakt arbeiten die Uhrmacher:innen mit modernster Mikromechanik: Montage, Chronometrie, Kalibrierung. Alte Mauern und neue Materialien, jahrhundertealte Handgriffe und neueste Technologien – sie bilden eine Symbiose, die Bovet zu einer Ausnahmeerscheinung in der Schweizer Uhrenwelt macht.

In beiden Bereichen spiegeln sich die Werte der Marke: Präzision, Geduld und Hingabe. Jede Uhr, die hier entsteht, ist eine Hommage an die Zeit selbst – so wie das Château eine Hommage an die Geschichte ist. Die Gravuren, die Emaillemalereien, die kunstvoll skelettierten Werke sind nicht nur Ausdruck höchster Handwerkskunst, sondern auch ein Dialog mit dem Ort. Die Uhrmacher:innen, die hier arbeiten, sagen oft, dass sie die Zeit „hören“ können – nicht nur im Takt der Uhrwerke, sondern im Echo der Mauern, im leisen Wispern des Waldes draußen.

 

„Das Château erinnert uns daran, dass Schönheit immer eine Frage des Gleichgewichts ist.“

Pascal Raffy, CEO und Eigentümer

Die Stille der Ewigkeit
Draußen zeigt sich das Château von seiner fast unwirklichen, poetischen Seite. Sanft fällt das Gelände zum Tal ab, Efeu umrahmt den alten Turm, und wenn abends das Licht der untergehenden Sonne auf den Stein trifft, scheint das Schloss selbst zu glühen. Der Blick reicht weit über das Val-de-Travers, über Wälder und Felder, die sich sanft im Wind wiegen – eine Landschaft, die seit Jahrhunderten unverändert geblieben ist.

Vielleicht liegt in dieser Beständigkeit das Geheimnis seiner Kraft. Das Château de Môtiers ist nicht nur Sitz einer Manufaktur, sondern ein Sinnbild für das, was Bovet antreibt: die Suche nach Dauer, nach Sinn und Schönheit, die sich der Zeit nicht unterwirft, sondern sie verwandelt.

Wenn die Dämmerung über die Mauern hereinbricht und nur noch das leise Schlagen der Uhrwerke im Inneren zu hören ist, wird eines ganz deutlich: Hier vergeht die Zeit nicht – hier wird sie vollendet.

In den Werkstätten des neuen Gebäudeflügels setzen Uhrmacher modernste mikromechanische Verfahren ein – von der Montage bis zur Feinregulierung.
Text
Inka Moll
Fotografie
PR
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